Moody's vs. LexisNexis vs. Dow Jones: Welche Compliance-Datenbank für welches Unternehmen?
Wer Sanktionslisten-, PEP- und Adverse-Media-Screening im industriellen Maßstab betreibt, braucht eine kommerzielle Datenbank als Basis. Die drei dominanten Anbieter — Moody's (ehemals Bureau van Dijk + Regulatory DataCorp), LexisNexis World Compliance und Dow Jones Risk & Compliance — unterscheiden sich in Datenabdeckung, Preis und Integrations-Tiefe. Dieser Vergleich hilft bei der Auswahl.
Der Markt: drei Platzhirsche plus Refinitiv
Historisch dominieren vier Anbieter den Markt für Compliance-Daten: Moody's Analytics (Marktführer nach Akquisition von RDC 2023), LexisNexis Risk Solutions, Dow Jones Risk & Compliance und Refinitiv (nach LSEG-Akquisition in die Workspace-Produkte integriert). Alle vier bieten Kern-Datensätze für Sanktionslisten, PEP, Adverse Media, UBO (Ultimate Beneficial Owner) und Enhanced Due Diligence.
Seite-an-Seite-Vergleich
Kriterium | Moody's | LexisNexis | Dow Jones |
|---|---|---|---|
Sanktionslisten-Coverage | 200+ Listen global | Über 1.000 Watchlists | Über 1.100 Listen |
PEP-Datenbank | 2+ Mio. PEPs + Familienangehörige | 3+ Mio. Einträge | 2,5 Mio. PEPs + Associates |
Adverse Media Coverage | 35.000+ Quellen | Über 30.000 Quellen | Dow-Jones-Publikationsnetz + externe Quellen |
DACH-Spezialisierung | Mittel (stark via Bureau van Dijk) | Gering | Mittel (Handelsblatt-Partnerschaft historisch) |
API-Qualität | Sehr gut (Compliance Catalyst) | Gut (WorldCompliance Premium) | Gut (RiskCenter) |
Preisniveau (Enterprise) | Premium (geschätzt 80-250k €/Jahr) | Premium (geschätzt 70-200k €/Jahr) | Hoch (geschätzt 100-300k €/Jahr) |
UBO-Daten | Stark (via Orbis-Datenbank) | Durchschnittlich | Über Partner |
Für welches Unternehmen passt welcher Anbieter?
Moody's — für Corporate Intelligence und UBO-Tiefe
Moody's kombiniert RDC-Sanktionen/PEP mit Bureau van Dijks Orbis-Datenbank (400+ Mio. Unternehmen weltweit). Das macht Moody's besonders stark für Unternehmen, die Corporate Due Diligence brauchen: UBO-Identifikation, Shareholder-Analyse, Cross-Ownership-Graphen. Typische Nutzer: Private Equity, Investment Banking, Anti-Geldwäsche-Spezialisten in Corporate Banking.
LexisNexis — für globale Breite und Legal-Integration
LexisNexis ist historisch eine Legal-Information-Company. Das spiegelt sich in Adverse-Media-Tiefe (juristische Quellen stark) und der Integration mit anderen LexisNexis-Produkten (News, Court Records, Compliance-Research). Typische Nutzer: Anwaltskanzleien, Compliance-Teams in multinationalen Konzernen.
Dow Jones — für Asset Management und Investment-Due-Diligence
Dow Jones hat historisch Stärken in Finanzpresse-Adverse-Media (WSJ, Barron's, MarketWatch als Quellen). Das macht es besonders passend für Investment-Szenarien: Portfolio-Screening, Counterparty-Due-Diligence, Regulatorisches Monitoring in Asset Management.
Was gilt in der Schweiz, Österreich und EU-weit?
Schweiz
FINMA-beaufsichtigte Institute müssen nach Art. 6 GwG „angemessene Maßnahmen" treffen — die Wahl der Datenbank ist risikobasiert. SECO-Liste muss separat geprüft werden, wird von den großen Anbietern meist als Teil der globalen Sanktions-Coverage gepflegt.
Österreich
Die FMA akzeptiert kommerzielle Datenbanken als Basis für § 40 BWG-Sorgfaltspflichten, erwartet aber eigene Governance über die Datenqualität. Österreichische Zusatzlisten (OeNB, FMA-Alertlisten) müssen separat abgeglichen werden.
EU-weit
Mit der AMLR ab 2027 wird die Anforderung an einheitliche EU-Datenbank-Nutzung deutlich steigen. Die neue AMLA in Frankfurt wird voraussichtlich eine zentrale EU-weite Sanktions-/PEP-Datenbank vorgeben, die kommerzielle Anbieter abdecken müssen.
Wie Indicium die Anbieter integriert
Indicium nutzt Moody's und LexisNexis parallel als Daten-Basis für Pre-Employment Screening. Die Kombination bietet:
Breitere Sanktionslisten-Coverage (kein Daten-Silo)
Tiefere PEP-Identifikation inkl. Familienangehörige und nahestehende Personen
Redundanz für Audit-Szenarien: jeder Treffer wird gegen zwei unabhängige Quellen validiert
Lokale DACH-Adverse-Media-Quellen plus globale Breite
Für Kunden: keine direkten Lizenzkosten bei den Anbietern — über Indicium als Plattform-Layer bezahlbar ab 1.990 € pro Monat statt 80-300k € pro Jahr für Enterprise-Lizenzen.
Fazit
Die drei Anbieter überlappen zu 80 %. Entscheidend sind Nischen: Moody's bei UBO, LexisNexis bei Legal-Integration, Dow Jones bei Finanzpresse. Für die meisten Mid-Market-Unternehmen ist die direkte Lizenzierung zu teuer — Plattform-Layer wie Indicium, die die Anbieter konsolidieren, sind der pragmatische Weg.
Buche eine Demo und sieh Dir die integrierte Datenbank-Abdeckung an. Weiterführend: Sanktionslisten-Screening und PEP-Prüfung nach GwG.
Weiterlesen — verwandte Artikel
Nabil El Berr




